Holzkohlegrill oder Gasgrill? Der ehrliche Vergleich für die Schweiz
Inhalt
Die Frage Holzkohle oder Gas wird seit Jahrzehnten mit denselben zwei Sätzen beantwortet: Gas ist bequem, Holzkohle schmeckt besser. Beides stimmt. Trotzdem kaufen jedes Jahr Leute den falschen Grill, weil sie nur auf einen der beiden Sätze gehört haben.
Wir bauen Holzkohlegrills und verkaufen seit Jahren ein Gaselement dazu, das die Kohle in fünf Minuten zündet. Wir haben also beide Seiten jeden Tag vor uns. Hier der Vergleich, so ehrlich wie wir können.
Das Wichtigste in Kürze
- Geschmack: Holzkohle gewinnt, vor allem bei Steaks und allem, was Fett abtropft. Bei Gemüse und Fisch ist der Unterschied klein.
- Zeit: Gas ist in 10 Minuten bereit, Holzkohle in 25 bis 30, mit Gaszündung in 5.
- Kosten pro Abend: Gas etwa CHF 2 bis 3, Holzkohle CHF 4 bis 8.
- Balkon: Gas ist in den meisten Mietverhältnissen das kleinere Problem.
- Lebensdauer: Ein Chromstahl-Holzkohlegrill hat keine Brenner, die rosten oder verstopfen.
Was ist der Unterschied zwischen Holzkohlegrill und Gasgrill?
Ein Holzkohlegrill erzeugt seine Hitze aus glühender Kohle, die direkt unter dem Rost liegt. Die Hitze kommt als Strahlung von der Glut und erreicht 600 bis 800 °C an der Oberfläche. Ein Gasgrill verbrennt Propan oder Butan in Brennern, die Flamme erhitzt Metallschienen oder Lavasteine, und diese strahlen auf das Grillgut. Die Oberflächentemperatur liegt meist bei 300 bis 400 °C.
Der Geschmacksunterschied kommt nicht vom Rauch der Kohle, der ist gering. Er kommt vom Fett und Fleischsaft, der auf die Glut tropft, dort verdampft und als Aroma wieder aufsteigt. Auf Gas tropft das Fett auf eine Metallschiene bei niedrigerer Temperatur, und davon kommt weniger zurück.
Geschmack: Wo Holzkohle wirklich besser ist
Bei einem dicken Steak, Poulet mit Haut, Lammkoteletts und Schweinsbauch, also bei allem, was Fett hat, ist Holzkohle klar besser. Die höhere Hitze gibt eine dunklere, knusprigere Kruste, und das verdampfende Fett würzt von unten.
Bei Gemüse, Fisch und Cervelats ist der Unterschied im Blindtest klein. Da zählt eher, ob du die Hitze im Griff hast, und das ist auf beiden Systemen Sache der Übung.
Zeit: Der grosse Vorteil von Gas, der schrumpft
Gas: Hahn auf, Knopf drücken, 10 Minuten vorheizen. Holzkohle: Anzündkamin füllen, anzünden, 25 bis 30 Minuten warten, Kohle verteilen. Das ist der Grund, warum viele unter der Woche Gas nehmen.
Der Vorteil schrumpft, sobald der Holzkohlegrill ein Gaselement unter der Kohlewanne hat. Dann zündet das Gas die Kohle in etwa 5 Minuten, und danach wird das Gas wieder abgestellt. Grilliert wird mit Kohle. Wie das funktioniert, haben wir im Artikel Warum bei uns das Gas unter der Kohle liegt beschrieben.
Kosten: Anschaffung und pro Grillabend
| Holzkohle | Gas | |
|---|---|---|
| Brennstoff pro Abend | 1.5 bis 2 kg Kohle, CHF 4 bis 8 | 300 bis 500 g Propan, CHF 2 bis 3 |
| Verschleissteile | Rost (alle paar Jahre) | Brenner, Zündung, Schläuche, Schienen |
| Reinigung | Asche entfernen, Rost bürsten | Fettwanne leeren, Brenner reinigen |
| Lebensdauer | bei Chromstahl Jahrzehnte | 8 bis 15 Jahre, je nach Brennerqualität |
Die Brennstoffkosten sind über ein Jahr gesehen fast egal. Bei 30 Grillabenden sind es CHF 60 bis 90 Unterschied. Was zählt, ist die Lebensdauer: Ein Holzkohlegrill hat kaum bewegliche Teile. Warum Chromstahl da den Unterschied macht, steht im Artikel Grill aus Chromstahl.
Balkon, Mietwohnung und Nachbarn
Rechtlich ist Grillieren auf dem Balkon in der Schweiz grundsätzlich erlaubt, aber die Hausordnung kann es einschränken, und der Rauch darf die Nachbarn nicht übermässig stören. In der Praxis heisst das: Holzkohle gibt beim Anzünden 10 Minuten Rauch, Gas gar keinen. Auf einem engen Balkon in der Stadt ist Gas oft die einzige Variante, die keinen Streit gibt.
Eine Zwischenlösung ist ein kleiner Holzkohlegrill, der mit Anzündkamin und guter Kohle wenig raucht. Mehr dazu im Artikel Grillieren auf dem Balkon.
Die dritte Option: Holzkohlegrill mit Gaszündung
Die meisten Vergleiche tun so, als müsste man sich entscheiden. Muss man nicht. Ein Holzkohlegrill mit Gaselement unter der Wanne nimmt dem Kohlegrill seinen einzigen echten Nachteil, die Wartezeit, und lässt den Geschmack, die Hitze und die Langlebigkeit, wie sie sind.
Bei uns lässt sich das Gaselement bei El Maestro, El Jefe, El Rey und El Original nachrüsten. Der El Chiquito geht den umgekehrten Weg: draussen Holzkohle auf dem Rost, am Esstisch ein Gasrechaud mit Grillschale, beides im Lieferumfang. Was ein Grill sonst noch können muss, haben wir im Artikel Der beste Grill der Welt aufgeschrieben.
Häufige Fragen: Holzkohle oder Gas
Ist Grillieren mit Holzkohle ungesund?
Nicht grundsätzlich. Problematisch sind verbranntes Fett und Flammen, die ans Fleisch kommen. Mit einem höhenverstellbaren Rost und ohne Flammenkontakt ist Holzkohle so unbedenklich wie Gas.
Welcher Grill ist für Anfänger besser?
Gas ist einfacher zu regeln. Mit einem Holzkohlegrill, bei dem du den Rost hoch- und runterkurbeln kannst, ist die Lernkurve aber kurz: Rost runter für heiss, rauf für sanft.
Kann ich auf einem Gasgrill Raucharoma bekommen?
Mit einer Räucherbox und Holzchips etwas, aber nicht dasselbe wie auf Kohle. Wie Räuchern auf dem Holzkohlegrill geht, steht im Artikel Räuchern auf dem Holzkohlegrill.
Was ist mit Elektrogrills?
Für den Balkon, wo nichts anderes erlaubt ist, eine Lösung. Die Hitze reicht für Würste und Gemüse, für eine Steak-Kruste meist nicht.
Geschrieben von Kevin Deak, azado AG, Wittenbach SG. Stand: Oktober 2026.